Herzlich Willkommen

In der Tradition eines der ältesten Auktionshäuser Deutschlands steht der Name Ruef für hochwertige Alte & Neue Kunst.
Seit 1844 wird in der fünften Generation Kunst versteigert.
Viele bedeutende Werke und einzigartige Sammlungen sind über das Ruef`sche Versteigerungspult in München gegangen.
Daraus resultiert der Anspruch des Hauses, regional bis weit über den süddeutschen Raum hinaus gute wie auch
wertbeständige Kunst anzubieten und dabei für den Einlieferer überdurchschnittliche Erlöse zu erzielen.


Auktion Aktuell

Weihnachtsauktion 2022, 10. Dezember 2022

Sa 10. Dezember 2022 10:00 Uhr

Ort: Landshut

Besichtigung:
02. Dezember 2022 10:00 - 18:00
03. Dezember 2022 10:00 - 16:00
04. Dezember 2022 10:00 - 16:00
05. Dezember 2022 10:00 - 18:00
06. Dezember 2022 10:00 - 18:00
07. Dezember 2022 10:00 - 18:00

Sammlung Georg Urban



Die Zauberer vom Kröning

oder „Primus inter pares“ – Erster unter Gleichen

Der „Kröning“, eine Hügellandschaft – reich an Tonerde und Holz – zwischen Landshut, Vilsbiburg und Dingolfing, galt von ihrer Blütezeit des 18. Jahrhunderts bis um das Jahr 1930 als das größte Zentrum für Geschirrherstellung in Bayern.
In den früheren Gemeindebereichen Kröning, Jesendorf, Dietelskirchen und Dirnaich an der Bina produzierten in der Blütezeit des Handwerks Mitte des 18. Jahrhunderts über 120 Meister hochwertiges, aber auch formal ansprechendes Gebrauchsgeschirr in vielfältiger Form- und Farbgebung.
Die Werkstätten vertrieben ihre Erzeugnisse nicht nur in die umliegenden großen Städte wie München, Landshut und Regensburg, sondern ebenso nach Salzburg, ins Innviertel, Pustertal, nach Linz, in den Nürnberger Raum, die Oberpfalz und in den Böhmerwald.
Schon im Jahre 1736 besuchten 43 Kröninger Hafner die Jakobi- und die Auer-Dult in München.
Viele Händler holten die „Kröninger Hafnerware“ mit Kraxe, Karren oder Fuhrwerk ab, um diese dann in ihren Heimatorten zu verkaufen. Auch auf dem Wasserweg – ab Kufstein innaufwärts wurde transportiert und erst Ende des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahn.
Eine alljährliche Hoflieferung von Hafnergeschirr an die „churfürstliche Hofküche“ zu München durch die Kröninger Hafner war selbstverständlich sowie der ungehinderte Verkauf auf Märkten im bayerischen Herrschaftsgebiet. War doch der Handel damit durch alte herzogliche Privilegien geschützt.
Auf den Märkten hatten die Hafner vom Kröning stets eine führende Stellung.
Handwerker und Handwerksmeister waren es, die diese schwere körperliche Arbeit verrichteten und mit viel Geschick, mit kreativer Leichtigkeit und dem besonderen „Verve“ brachten sie in den Glasuren mit ihrer „Spritztechnik“ eine Abstraktion zu Tage, die ihresgleichen sucht.
Mit dieser besonderen Technik, mit der sie ihre Hafner-Ware ansprechend verzierten,
hatten sie schon lange vor 1900 ein raffiniertes künstlerisches Ausdrucksmittel gefunden.

Die Anfänge rein abstrakter Malerei liegen erst in der Zeit nach 1910. Einer ihrer maßgeblichen Mitbegründer war Wassily Kandinsky.

Jackson Pollock (1912-1956), befasste sich erst ab 1946 mit dem „Drip-Painting“ und wurde einer der bedeutendsten Künstler dieser Technik. Er ließ Farbe auf die auf dem Boden liegende Leinwand tropfen, schüttete und spritzte, sodass sich Strukturen, und wilde Muster aus Farbspritzern bildeten.

Bringt man jedoch Kröninger Hafner-Ware in „Spritztechnik“ aus der Zeit um 1800/1830 und Kunstwerke Jackson Pollocks zusammen, so fallen Parallelen auf, die nicht von der Hand zu weisen sind, denn lange vor Pollock und Kandinsky, haben die Kröninger Hafner ihr erstaunliches Empfinden für die Abstraktion entwickelt und umgesetzt.

Max Ernst (1891-1976) der mehrere Mal- und Zeichentechniken erfand, die zufällige Strukturen erzeugen, verwendete das „Drip-Paining“ nur in einigen Bildern seines Spätwerks.

Hermann Nitsch – Enfant terrible und Protagonist der Wiener Aktionskunst – ist sicherlich der konsequenteste zeitgenössische europäische Vertreter des „Drip-Painting“ seit Jackson Pollock.

Künstlerische Haltung – bislang übersehen – unbekannten Parallelen !

O-Ton Prof. Dr. Florian Hufnagel ehemaliger Direktor der neuen Sammlung in München beim Anblick eines besonderen Kröninger Tellers mit „Spritzdekor“:
„Das ist ein unglaublich schöner Kröninger Teller, 100-150 Jahre alt, der etwas ganz wunderbares hat, nämlich den sogenannten „Spritzdekor“, da ist man dann mit Stroh oder einem Besen reingegangen in die Farbe und hat die einfach über die Manufakturware, die da lag drüber gespritzt. Schaut aus und hat dieselbe Freiheit, wie ein sündhaft teures Gemälde von Jackson Pollock.
Ein wunderbares Stück ….“!

Waren die Kröninger Hafner also die „Ersten Abstrakten“ ?

VG-Bild-Kunst Richard Hillinger & Andreas M. Ruef Copyrigth
Anm.: Richard Hillinger hat die Kröninger Hafnermalerei zum immateriellen Kulturerbe bei der UNESCO angemeldet und hat jeweils im Louvre, in Abu Dhabi und in der Staatsgallerie in Stuttgart temporär eine Kröninger Schale vor einem Jackson Pollock präsentiert.