564.Weihnachtsauktion 2020

Datum: 12.12.2020

Zeit:
Vormittag: 10:00 bis ca. 12:30 Uhr
Nachmittag: 14:30 bis Ende

Ort:
Landshut

Bitte beachten Sie, dass Aufgrund der behördlichen Vorschriften und zum Schutz von Kunden und Personal ein Zutritt nur mit MUND-NASEN-MASKE möglich ist!

Das Schutz- und Hygienekonzept ist im Eingangsbereich ausgelegt und kann eingesehen werden.

Besichtigung:
Freitag 04. Dezember 10 - 18 Uhr
Samstag 05. Dezember 10 - 16 Uhr
Sonntag 06. Dezember 10 - 16 Uhr
Montag 07. Dezember 10 - 18 Uhr
Dienstag 08. Dezember 10 - 18 Uhr
Mittwoch 09. Dezember 10 - 18 Uhr

Donnerstag 10. & Freitag 11. Dezember geschlossen.

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Vorbericht


Copyright Gemeindearchiv Bernried a. S


" The Last Queen of Bavaria " !

Die reiche Deutsch-Amerikanerin Wilhelmina Busch-Woods baute sich in Höhenried ein Schloss mit Bootshaus und Tierpark.

Wilhelmina Busch wurde als 14. Kind des aus Deutschland stammenden amerikanischen Brauereibesitzers Adolphus Busch und seiner Frau Lilly, geb. Anheuser, 1884 in St. Louis am Mississippi geboren.
1906 heiratete Sie den württembergischen Ulanen-Reserveoffizier Eduard Scharrer, der mit seinem Vater in den USA auf Urlaub war. 1914 machte das Paar einen Jagdausflug an den Starnberger See und sie verliebte sich sofort in diese Gegend. Bernried wurde ihre vielgeliebte Heimat.
Zunächst baut das Ehepaar eine Villa im Dorf Bernried. 1927 erwirbt es das Gut Höhenried mit rund 300 Tagwerk Grund, und der begeisterte Pferdenarr Scharrer gründet ein Gestüt. Ab 1914 kaufte sie nach und nach den Besitz des Barons von Wendland auf.
Kurz vor dem zweiten Weltkrieg erbaute sie das Schloss Höhenried und stattete es mit teuersten Antiquitäten aus. Ihr "Traumschloss" gilt somit als der "letzte repräsentative Villenbau" am Starnberger See.

Mit dem Schloss Höhenried verwirklichte sich das Ehepaar einen Traum, der nur wahr werden konnte, weil Eduard Scharrer beste Beziehungen zu den Nationalsozialisten hatte. Hitler benötigte nämlich für die Verbreiterung der Straße zum neu erbauten Haus der Deutschen Kunst das Münchener Anwesen von Wilhelmina, das in der Von-der-Tann-Straße Nr. 27 in München lag.

Für die reiche Erbin der großen amerikanischen Brauerei Anheuser-Busch spielte zwar Geld nie eine Rolle, sie war aber sehr geschäftstüchtig und erzielte einen guten Preis für Ihre Münchner Immobilie.
175 000 Mark erhielt sie vom Land Bayern damals und ließ sich auch vertraglich zusichern - unter der Androhung wieder nach Amerika auszuwandern - in Bernried einen "Ersatzbau" ausführen zu dürfen, da dieser in einem Landschaftsschutzgebiet lag.

Der von dem Münchener Architekten Michael Aicher entworfene, beeindruckende Gebäudekomplex wirkt wie ein Schloss aus dem 19. Jahrhundert, wurde aber erst 1937 bis 1939 errichtet. Gleichzeitig wurde ein Bootshaus gebaut für die Privat-Yacht "Höhenried" der Busch-Erbin, übrigens der größten am Starnberger See.
Wilhelmina ließ im Park exotische Bäume pflanzen, terrassenartige Weiher - das so genannte "Mississippi Gelände" - wurde angelegt sowie ein eigener Tierpark eingerichtet mit vielen weißen Pfauen und ungarischen weißen Damhirschen
Ein Personal von über 150 Bediensteten in weißen Glacéhandschuhen die sich um ihr leibliches Wohl kümmerten waren eine Selbstverständlichkeit für Wilhelmina. Es entstand ein "Juwel der Architektur, der Wohnkultur und der Gartenkunst", wie Erwin Ruckriegel in seiner Chronik zum Schloss Höhenried schreibt.
Zum Riesenbesitz von Wilhelmina und ihren nach und nach drei Ehemännern (Eduard Scharrer, Dr. med. Carl Borchardt und schließlich der US-Generalkonsul Sam Woods) gehörten letztendlich ein Drittel der gesamten Bernrieder Gemeindeflur. Der Höhenrieder und der Bernrieder Park, zwei landwirtschaftliche Hofgüter mit prämierten Zuchtviehherden, Reit- und Kutschpferden sowie exklusiven Automobilen, dazu mehrere Häuser und das Parkhotel in München.
Wilhelmina Busch - Woods war eine schillernde Persönlichkeit. Auf ihrem Schloss Höhenried am Rande der Gemeinde Bernried trafen sich bedeutsame Persönlichkeiten aus der Hochfinanz und des Adels, der Politik und Gesellschaft. Ihre opulenten Feste mit bis zu 2500 Gästen aus aller Welt waren legendär. In den prunkvollen Räumen, die mit kostbaren Antiquitäten ausgestattet waren, empfing die "The Last Queen of Bavaria", wie die über 1,80 Meter große und stets in weiße Roben gehüllte, imposante Schlossherrin von ihren amerikanischen Landsleuten genannt wurde, u.a. Theodor Heuss, Konrad Adenauer, den Präsidenten der Montanunion Jean Monnet und den Initiator des Marshall-Plans, George Marshall.

Kostbares aus aller Welt
Wilhelmina, die einen deutschen und einen amerikanischen Pass besitzt, ist sehr reisefreudig und bringt kostbare Antiquitäten aus aller Welt mit. Schloss Höhenried wird nach Angaben des Chronisten Erwin Ruckriegel ausgestattet mit englischen und französischen Möbeln, orientalischen Teppichen, chinesischen Vasen, italienischen Lüstern, bayerischen Bauernmöbeln, Gobelins, Bildern, Holzschnitzereien und Heiligenfiguren. Geblieben ist davon kaum etwas.

Im Zweiten Weltkrieg verlegte die Amerikanerin ihren Wohnsitz vorsichtshalber in die Schweiz, und das Schloss wurde für die ausgebombte orthopädische Klinik München beschlagnahmt. Auf Betreiben der Schlossherrin wurde später die Schweizer Gesandtschaft von Berlin nach Höhenried evakuiert und das Genfer Rote Kreuz.

Nach dem Krieg verlieh Wilhelmina dem Schloss zusammen mit ihrem dritten Ehemann, den Amerikanischen Generalkonsul Sam Woods, wieder neuen Glanz.

Nicht zuletzt um der Teilenteignung als Großgrundbesitzerin nach dem Krieg zu entgehen, brachte sie den etwa 80 ha großen Bernrieder Park in eine Stiftung ein, um den Park - nach ihrem Tod - "für alle Zukunft der Allgemeinheit zur Erholung" zur Verfügung zu stellen. Der Höhenrieder Park mit der Klinik Höhenried gehört mittlerweile der Deutschen Rentenversicherung.
Nach einer - wohl missglückten - Operation verstarb Wilhelmina Busch-Woods mit 68 Jahren 1952 in München. Ihr Grabmal liegt im Höhenrieder Park am Ufer des Starnberger Sees. Neben ihr ist auch ihr letzter Ehemann, Sam Woods, begraben.
Die Erben ließen 1955 das gesamte Schloss-Inventar durch das alteingesessene Münchner Kunstauktionshaus Ruef in einer einwöchigen Mammutauktion versteigern. Nur ein paar Gegenstände gingen seinerzeit als unverkauft zurück. Hugo Ruef Senior, Hugo Ruef Junior und seine Schwester Gabriele Ruef saßen damals eine Woche lang am Pult vor einem stets brechend vollen Saal. Der berühmte "Gockelwirt" wollte das Bett von Wilhelmina Busch unbedingt ersteigern und Hugo Ruef Senior ließ sich damals bei jedem Gebot hinreißen, dem im Saal stehenden Gockelwirt zuzurufen."ned aus auslass'n Gockel."
Nur einen Grund zum Ärgern gab es für Hugo Ruef Senior: Es zieht in der Schlosshalle, und er spürt, das an den Füßen und im Genick. "Macht's doch die Tür zu " schreit er. Aber das geht nicht, denn durch diese Tür werden von den Packern die Sachen hereingeschleppt, um die sich das Publikum balgt und harte Bietergefechte austrägt.
Für die damalige Zeiten wurde die unvorstellbar hohe Summe von 500 000 Mark erzielt.

Schließlich kaufte die deutsche Rentenversicherung das gesamte Anwesen für 2,2 Millionen Mark. Heute kann man noch die schöne Renaissance-Halle sowie die Türme an den Seiten des Gebäudes mit ihren hochwertigen chinesischen und venezianischen Malereien bewundern und durch den Laubengang des Schlosses hat man einen wunderschönen Ausblick über Landschaft und See. Auch ist der rund 89 Hektar große Park für die Öffentlichkeit zugänglich.

Pünktlich zur Weihnachtsauktion bringt nun das Kunst & Auktionshaus Ruef am Dreifaltigkeitsplatz in Landshut über 25 Objekte aus dem Besitz der "Last Queen of Bavaria" zum Aufruf, die ehemals schon bei der berühmten Auktion 1955 in Höhenried zum Aufruf kamen. Damals kaufte sie ein Villenbesitzer auf der gegenüberliegenden Seite des Sees und nun 65 Jahre später finden diese Preziosen wieder zurück zu Ruef ans Auktionspult wie 1955.

Herausragende Objekte dieser Auktion sind zwei Prunkkommoden aus dem Besitz von Wilhelmina Busch-Woods. Beide Möbel wurden im Stile des Louis Seize, in Paris um 1890 gefertigt. Vorbilder der Kommoden war eine nach dem berühmten 1786 für Marie Antoinette nach Schloss Fontainebleau geliefertes Modell der beiden berühmten Pariser Ebonisten Guillaume Benemann und Joseph Stöckel. Die zweite Kommode war für das Kabinett des Königs in Versailles von dem Pariser Ebonisten Antoine Gaudreaux angefertigt worden.

"The last Queen of Bavaria" wäre "amused" !

Impressionen